Das Währungspaar EUR/USD rutschte in negatives Terrain ab und notierte in den frühen europäischen Handelsstunden am Freitag nahe der Marke von 1,1500, da eskalierende geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Risikobereitschaft dämpften und die Nachfrage nach dem US-Dollar als sicherer Hafen stärkten. Der Euro geriet unter Druck, nachdem sich die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran deutlich verschärfte. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warnte am Donnerstag laut The Guardian, dass die Vereinigten Staaten den Preis für die Tötung iranischer Zivilisten zahlen würden.
Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) gab anschließend bekannt, US-Militärstützpunkte in Kuwait, Jordanien und Bahrain als Vergeltung für US-Angriffe auf ein Gebäude auf der iranischen Insel Qeschm angegriffen zu haben. Iranische Militäroffizielle erklärten darüber hinaus, dass die Straße von Hormuz geschlossen bleibe und dass das, was sie als Aggressor bezeichneten, Konsequenzen zu tragen habe – eine Entwicklung mit erheblichen Auswirkungen auf die globalen Energieversorgungsketten. Trotz des kurzfristig negativen Drucks auf die Gemeinschaftswährung lieferten stärker als erwartete Wirtschaftsdaten aus der Eurozone und Deutschland eine gewisse Unterstützung.
Die besser als erwartet ausgefallenen BIP-Zahlen haben die Markterwartungen bestärkt, dass die Europäische Zentralbank in diesem Jahr eine zweite Zinserhöhung vornehmen könnte, möglicherweise bereits im September. Elias Haddad von Brown Brothers Harriman unterstrich die Bedeutung der jüngsten Datenlage und erklärte, dass die Erholung der wirtschaftlichen Aktivität in der Eurozone und die über dem Zielwert liegende Inflation für eine Wiederaufnahme der Zinserhöhungen durch die ECB im September sprächen. Er merkte an, dass die Kombination aus robusterem Wachstum und anhaltendem Preisdruck die Zentralbank auf Kurs für einen weiteren geldpolitischen Schritt nach ihrer derzeitigen Pause halte.
Aus technischer Sicht bleibt der Ausblick für EUR/USD eingeschränkt. Laut einer von FXStreet veröffentlichten Analyse bleibt das Paar unterhalb des 100-Tage-Simple Moving Average (SMA) bei 1,1570 gedeckelt, der weiterhin als bedeutendes Widerstandsniveau fungiert, das die Bullen zurückgewinnen müssten, um den übergeordneten Abwärtsdruck zu mildern. Das Paar drückt zudem gegen das obere Bollinger Band, das sich bei etwa 1,1510 befindet, was darauf hindeutet, dass Aufwärtsversuche auf Angebotsdruck stoßen.
Der Relative Strength Index (RSI) notiert bei rund 59, was auf eine sich verbessernde, aber noch nicht überkaufte Dynamik innerhalb eines insgesamt eingeschränkten technischen Umfelds hindeutet. Die mittlere Bollinger-Linie stützt weiterhin die Struktur. Auf der Unterseite wird die erste Unterstützung an der täglichen Bollinger-Mittellinie nahe 1,1425 identifiziert, wobei das untere Bollinger Band bei etwa 1,1340 den nächsten bedeutenden Boden darstellt.
Ein Rückgang unter dieses Niveau würde laut der technischen Analyse von FXStreet den Abwärtsimpuls voraussichtlich verstärken und den Weg zu tieferen Tiefs öffnen. Marktteilnehmer dürften weiterhin die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten sowie etwaige weitere Aussagen der ECB im Blick behalten, um kurzfristige Richtungshinweise für das Währungspaar zu erhalten.
Quelle: fxstreet.com