Engpässe bei kritischen Mineralien, die bis 2035 erwartet werden, hängen möglicherweise weniger von der geförderten Erzmenge ab als davon, ob Bergbauunternehmen verwertbares Material zuverlässig verarbeiten und an Endkunden liefern können. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie von GEM Mining Consulting, die am 11. August 2026 veröffentlicht wurde.
Das Beratungsunternehmen analysierte sechs Schlüsselmineralien – Kupfer, Lithium, Nickel, Kobalt, batteriefähigen Graphit und magnetische Seltene Erden – auf Basis des IEA-Ausblicks für 2035. Die Ergebnisse zeigen, dass das erwartete Angebot lediglich 68 % des prognostizierten Lithiumbedarfs, 74 % des Kobaltbedarfs und 75 % des Kupferbedarfs deckt, was auf erhebliche Mengendefizite in diesen Märkten hindeutet. Die Analyse von GEM führt jedoch eine zweite Risikedimension ein, die konventionelle Versorgungsprognosen grundlegend in Frage stellt.
Für batteriefähigen Graphit und magnetische Seltene Erden werden Versorgungsdeckungsgrade von 96 % bzw. 107 % prognostiziert – dennoch weisen sie im proprietären Modell von GEM die höchsten Kettenanfälligkeitswerte auf und erreichen 89 bzw. 95 von 100 Punkten.
Dies verdeutlicht eine grundlegende Diskrepanz zwischen aggregierten Produktionsmengen und der strukturellen Zuverlässigkeit von Lieferketten. Nickel stellt einen besonders aufschlussreichen Fall dar. Das Angebot dürfte bis 2035 etwa 92 % des Bedarfs decken, doch der Kettenanfälligkeitswert erreicht 66 Punkte – getrieben durch die Konzentration der Verarbeitungskapazitäten in Indonesien und China sowie die begrenzte Verfügbarkeit diversifizierter Raffinerieinfrastruktur andernorts.
Die Erkenntnisse haben unmittelbare Auswirkungen auf Industrien, die auf batteriefähiges Nickel angewiesen sind, darunter der Elektrofahrzeugsektor. Bei den Mengendruckindikatoren erzielt Lithium einen Wert von 80 auf dem Volume Scarcity Index von GEM, während Kupfer bei 62 liegt. Kobalt wird als doppelt belastet identifiziert: Es kombiniert ein erhebliches Angebotsdefizit mit einem erhöhten Kettenanfälligkeitswert von 78.
Die Forschungsarbeit von GEM stellt zudem eine verbreitete Annahme in der Branchenplanung in Frage: dass die angekündigte Nennproduktionskapazität ein verlässlicher Näherungswert für das tatsächliche künftige Angebot sei. Das Beratungsunternehmen argumentiert, dass Nennkapazitätswerte Inbetriebnahmeverzögerungen, Anlaufphasen, Produktqualitätsprobleme, Kundenqualifizierungsanforderungen und Betriebsstörungen nicht berücksichtigen. In einem in der Studie enthaltenen Rechenbeispiel reduzierten diese kumulativen Faktoren die nominale Jahreskapazität eines hypothetischen Projekts von 100.000 Tonnen auf lediglich 60.200 Tonnen zuverlässiger Produktion.
GEM stellte ausdrücklich klar, dass die zugrunde gelegten Annahmen die Methodik veranschaulichen und keine Marktprognose darstellen. Die Implikationen für Projektbewertung und strategische Planung sind erheblich. Ein kleineres Bergbauunternehmen mit nachgewiesenen Verarbeitungskapazitäten, qualifizierten Produkten und verlässlicher Logistikinfrastruktur könnte einen größeren strategischen Wert besitzen als eine größere Ressource, der ein tragfähiger und zuverlässiger Marktzugang fehlt.
GEM kommt zu dem Schluss, dass Regierungen und Branchenakteure je nach dem betreffenden Mineral differenzierte politische und investitionsbezogene Antworten benötigen. Bei Kupfer, Lithium und Kobalt liegt die Priorität auf verlässlicher Projektentwicklung und -durchführung. Bei Graphit und magnetischen Seltenen Erden muss der Schwerpunkt auf Verarbeitungsdiversifizierung, technologischer Entwicklung und Erweiterung der Kundenbasis verlagert werden.
Das übergeordnete Fazit der Studie lautet: Reserven allein konstituieren kein Angebot. Damit ein kritisches Mineral seine strategische Funktion erfüllen kann, muss es finanziert, genehmigt, abgebaut, verarbeitet, qualitativ zertifiziert und zuverlässig an Endnutzer geliefert werden – eine Anforderungskette, die Nennkapazitätswerte allein nicht abzubilden vermögen. Quelle: GEM Mining Consulting, Forschungsbericht zur Knappheit kritischer Mineralien, August 2026, basierend auf dem IEA Global Critical Minerals Outlook 2026.
Quelle: mining.com