Das Wichtigste in Kürze
- Schrott hat keine Börse: Der Preis entsteht aus tausenden lokalen Verhandlungen über unterschiedliche Sorten. Ein Index verdichtet diesen fragmentierten Markt zu einer über die Zeit vergleichbaren Zahl.
- FT Mercati veröffentlicht drei Schrottindizes — Eisenschrott, NE-Schrott und Edelstahlschrott — in Euro je Tonne, wöchentlich aktualisiert. Jeder Index ist der Durchschnitt der Kategorien seiner Familie; Abonnenten greifen zusätzlich auf die rund 50 wöchentlichen Notierungen der Einzelkategorien zu.
- Jeder Index hat eigene Treiber: Eisenschrott folgt Stahlwerken und Export; NE-Schrott folgt den LME-Metallen (allen voran Kupfer); Edelstahl folgt vor allem dem in der Legierung enthaltenen Nickel.
- In Verträgen dient der Index als Indexierungsbasis: Preis an die Referenz gekoppelt, plus/minus ein vereinbarter Abschlag — statt bei jeder Lieferung neu zu verhandeln.
- Schrott ist vom CBAM ausgenommen (KN 7204 und 7602): ein Wettbewerbsvorteil des Recyclings, der diese Zahlen in den kommenden Jahren noch wichtiger macht.
Warum es "den" Schrottpreis nicht gibt
Anders als Kupfer oder Aluminium hat Schrott keine Weltbörse: Er wird auf einem fragmentierten physischen Markt gehandelt — Händler, Verwerter, Gießereien, Stahlwerke — mit Preisen, die sich nach Sorte, Stückigkeit, Reinheit, Region und sogar den Frachtkosten der Woche richten.
Das Ergebnis: Zwei Marktteilnehmer können am selben Tag dieselbe Schrottklasse zu unterschiedlichen Preisen abschließen — und beide "richtig" liegen. Zur Orientierung braucht es eine neutrale Referenz, die den Markt verdichtet: genau das leistet ein Index. Nicht der Preis einer einzelnen Transaktion, sondern eine Zahl, die den Trend abbildet — und die, als Zeitreihe gelesen, sagt, ob der Markt steigt, fällt oder dreht.
Die drei FT-Mercati-Indizes: Eisen, NE, Edelstahl
FT Mercati veröffentlicht drei Schrottindizes, alle in Euro je Tonne und wöchentlich aktualisiert — der natürliche Takt eines Marktes, der seine Preise nicht im Minutentakt bewegt.
Der Eisenschrott-Index folgt dem Rohstoff der Elektrostahlwerke: Seine Treiber sind Stahlaufträge, Bau- und Maschinenbauzyklen, Export und Energiekosten. Der NE-Schrott-Index folgt Kupfer-, Aluminium- und anderem Legierungsschrott: Er bewegt sich im Fahrwasser der LME-Metalle, mit Abschlägen für Sorte und Ausbeute. Der Edelstahlschrott-Index folgt dem rostfreien Schrott, dessen Wert vor allem im enthaltenen Nickel (und Chrom) steckt: Läuft der Nickel, läuft der Edelstahl mit.
Wichtig ist aber, was jeder Index technisch ist: ein Durchschnitt seiner Familie. Der NE-Index etwa verdichtet die Erhebungen für Kupfer, Aluminium, Blei und die übrigen Kategorien zu einer einzigen Zahl. Für den Gesamttrend ist das die richtige Verdichtung; wer eine bestimmte Sorte kauft oder verkauft, arbeitet mit den Einzelpositionen: FT-Mercati-Abonnenten greifen jede Woche auf rund fünfzig Notierungen einzelner Schrottkategorien zu — vom losen Leichtblechschrott bis zum Shredderschrott (Proler) bei den Eisensorten, von Aluminium-Drehspänen bis zu Kupferkabelabschnitten — deren äußerste Verdichtung die öffentlichen Indizes sind.
Die drei Reihen nebeneinander auf einer Seite erzählen drei verschiedene Märkte, die oft auseinanderlaufen: Es gibt Quartale mit stabilem Eisenschrott, steigendem NE-Schrott im Sog des Kupfers und fallendem Edelstahl mit dem Nickel. Genau diese Querlektüre ist der Wert der Indizes.
Wie man einen Index liest (und wie nicht)
Ein Index wird auf zwei Arten gelesen: das Niveau, um das Heute mit der Historie zu vergleichen, und die Veränderung, um die Richtung zu erfassen. Für Käufer und Verkäufer von Schrott zählt vor allem Letztere: Der Index wird selten exakt dem Preis der eigenen Verhandlung entsprechen — Sorte und Logistik machen den Unterschied — aber seine Wochenveränderung ist der Maßstab, an dem man die eigenen Positionen nachführt.
Zwei Fehler gilt es zu vermeiden. Erstens: den Index als Preisliste zu nehmen ("der Index sagt X, also ist mein Schrott X wert") — der Index ist eine Durchschnittsaufnahme, nicht der Preis einer einzelnen Partie. Zweitens: ihn isoliert zu lesen — NE-Schrott gehört neben das LME-Kupfer, Edelstahl neben den Nickel, Eisenschrott neben den Stahlzyklus: Erst der Vergleich zeigt, ob eine Bewegung lokal oder fundamental ist.
Indizes im Vertrag: die Indexierung
Der wertvollste Einsatz eines Index ist der vertragliche. Bei wiederkehrenden Lieferungen koppeln die Parteien den Preis an die Referenz, statt bei jeder Lieferung neu zu verhandeln: Index (oder sein Durchschnitt über einen Zeitraum) plus/minus ein vereinbarter Abschlag, der Sorte, Ausbeute und Logistik der konkreten Lieferung abbildet.
Die typische Klausel regelt vier Dinge: welcher Index gilt, über welchen Zeitraum er berechnet wird (Lieferwoche, Monatsmittel), den vereinbarten Abschlag und was in Grenzfällen geschieht (Index nicht veröffentlicht, anomale Sprünge). Eine öffentliche, neutrale Referenz räumt die sterilste Debatte vom Tisch — "der Markt ist gefallen" / "nein, gestiegen" — und lässt der Verhandlung nur, was wirklich lieferspezifisch ist.
Schrott, CBAM und EU-Regeln: warum Recycling im Vorteil ist
Der europäische Regulierungsrahmen macht Schrott strategischer. Das CBAM — der CO₂-Grenzausgleich der EU, endgültig seit 2026 — nimmt Schrott ausdrücklich aus: Eisenschrott (KN 7204) wie Aluminiumschrott (KN 7602) lassen sich ohne CBAM-Pflichten und -Kosten einführen, während importiertes Primärmetall bis 2034 wachsende CO₂-Kosten trägt. Unter sonst gleichen Bedingungen gewinnt Recyclingmaterial Jahr für Jahr an Wettbewerbsfähigkeit.
An der Gegenfront der Export: Die neue EU-Abfallverbringungsverordnung (2024/1157) knüpft Schrottexporte in Nicht-OECD-Länder ab dem 21. Mai 2027 an den Nachweis nachhaltiger Abfallwirtschaft. Weniger Exportkanäle können mehr verfügbares Material in Europa bedeuten — ein Faktor, den man genau über die Indizes im Blick behält.
Häufige Fragen
Wie oft werden die Schrottindizes aktualisiert?
Wöchentlich: der natürliche Takt eines physischen Marktes, der nicht im Minutentakt neu bepreist. Auf der Schrottseite von FT Mercati finden Sie den aktuellen Wert und die Historie jedes der drei Indizes.
Warum weicht der Index vom Preis ab, der mir geboten wird?
Weil der Index ein Durchschnitt seiner Schrottfamilie ist, nicht die Preisliste einer einzelnen Partie: Sorte, Stückigkeit, Reinheit, Ausbeute und Fracht verschieben den tatsächlichen Preis. Der Index misst die Richtung und dient als Vertragsbasis; für die eigene Sorte — vom losen Leichtblechschrott bis zu Kupferkabelabschnitten — verfügen Abonnenten über die rund 50 wöchentlichen Erhebungen je Einzelkategorie.
Zahlt Schrott CBAM?
Nein: Eisenschrott (KN 7204) und Aluminiumschrott (KN 7602) sind vom CBAM ausgenommen — keine Zulassung, keine Erklärung, keine Zertifikate. Das ist einer der Gründe, warum Recycling gegenüber importiertem Primärmetall an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt. Vertieft wird das Thema in unserem CBAM-Leitfaden.
Wie hängen die Schrottindizes mit den LME-Preisen zusammen?
NE-Schrott bewegt sich im Fahrwasser der LME-Metalle (allen voran Kupfer) mit Abschlägen für Sorte und Ausbeute; Edelstahl folgt vor allem dem Nickel; Eisenschrott hat eigene Treiber — Stahlwerke, Bau, Export, Energie — und keinen LME-Referenzkontrakt im europäischen physischen Markt.
Wie bringe ich einen Index in einen Liefervertrag?
Mit vier Festlegungen: der maßgebliche Index, der Berechnungszeitraum (Lieferwoche oder Monatsmittel), der vereinbarte Abschlag zum Index und die Klausel für Grenzfälle. So folgt der Preis dem Markt, ohne jede Lieferung neu zu verhandeln.
Quellen
Referenzen dieses Leitfadens:
- FT Mercati — Notierungen der Schrottindizes
- Verordnung (EU) 2024/1157 über die Verbringung von Abfällen (EUR-Lex)
Dieser Leitfaden dient der Marktinformation und ist keine Rechts- oder Handelsberatung: Für die Verträge Ihres Unternehmens wenden Sie sich an Ihre Berater.