Die globalen Märkte eröffneten den Freitag unter Druck infolge einer erneuten Risk-off-Bewegung, so die Morning Strategy Note von Scotia Wealth Management. Der S&P 500 schloss am Donnerstag bei 7.720 Punkten, der Nasdaq Composite bei 26.185 Punkten. Das entspricht seinem schwächsten Tagesverlust seit dem durch Lam Research ausgelösten Kurseinbruch in der Vorwoche.
Die S&P-500-Futures verloren vorbörslich 1,1 %, die Nasdaq-100-Kontrakte gaben 2,6 % nach, da Amazon und Intel die Stimmung belasteten. Amazon meldete für das dritte Quartal einen Umsatz von 201,9 Mrd. US-Dollar, unter den erwarteten 202,2 Mrd.
US-Dollar, sowie einen Free-Cashflow-Abfluss von 42,4 Mrd. US-Dollar in den vergangenen zwölf Monaten. Die quartalsweisen Investitionsausgaben (Capex) stiegen auf über 77,0 Mrd.
US-Dollar. Der Umsatzausblick von Intel für das vierte Quartal in Höhe von 15,0 bis 16,0 Mrd. US-Dollar verfehlte den Konsens von 17,0 Mrd.
US-Dollar. Zudem warnte das Unternehmen vor einer Abschwächung des PC-Markts, die bis 2028 anhalten dürfte. Kanadas Wirtschaft stagnierte im dritten Quartal.
Daten von Statistics Canada zeigten, dass das reale BIP im August unverändert blieb. Das lag unter dem Bloomberg-Medianschätzwert von 0,2 % gegenüber dem Vormonat. Frühindikatoren deuten auf einen Rückgang um 0,1 % im September hin.
Scotia Wealth Management errechnete, dass das kanadische BIP im dritten Quartal 2026 auf Basis der Branchendaten annualisiert um 1,3 % gegenüber dem Vorquartal zulegt. Im zweiten Quartal 2026 waren es auf derselben Basis 3,8 %. Bei den stärker beachteten Ausgabenkonten wuchs Kanada laut der Bank im zweiten Quartal 2026 um 3,3 %.
Scotiabank Economics hatte Anfang Oktober für das dritte Quartal ein Wachstum von 2 % prognostiziert, im Einklang mit der Projektion der Bank of Canada. Die Märkte bewerten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Bank of Canada auf ihrer Sitzung am 12. Dezember etwa mit 50 zu 50.
Das ist unverändert gegenüber der Lage vor den Daten. Die Note argumentiert, dass die schwache Zahl nur begrenzte Auswirkungen auf diese Entscheidung hat. Die Europäische Zentralbank beließ alle geldpolitischen Parameter unverändert und hielt den Einlagesatz bei 2,50 %, nachdem sie im Juni und im September jeweils um 25 Basispunkte angehoben hatte.
Scotia Wealth Management erwartet bei der Ankündigung am 17. Dezember eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,75 %. Diese dürfte laut Prognose die letzte des Zyklus sein, wobei weitere Zinsschritte wahrscheinlicher seien als ein Ende des Straffungszyklus.
In ihrer Pressekonferenz erklärte Christine Lagarde, die EZB sehe keine wesentlichen Risiken von Zweitrundeneffekten. Die Energiepreise lägen über dem Basisszenario vom September, und die Inflation werde in den kommenden Quartalen deutlich über dem Zielwert liegen. Unter Berufung auf EZB-Kreise berichtete Reuters, dass die jüngsten Renditeanstiege am Anleihemarkt das Wachstum in den Jahren 2027 und 2028 um rund 100 Basispunkte und die Inflation um 90 Basispunkte gegenüber dem Septemberszenario drücken würden.
Lagarde kündigte außerdem an, sie beabsichtige, Anfang Februar zurückzutreten, und damit vor dem Ende ihrer Amtszeit im Oktober. Die EU wird in den kommenden zwei Monaten Anhörungen für ihre Nachfolge abhalten. In den Vereinigten Staaten wuchs das BIP im dritten Quartal laut den von der Note zitierten Daten des Bureau of Economic Analysis annualisiert um 3,4 % gegenüber dem Vorquartal.
Das liegt über dem Konsens von 3,2 % und über den 2,2 % im zweiten Quartal. Die privaten Konsumausgaben stiegen um 3,8 %. Der PCE-Bericht für September fiel bei der Inflation weniger erfreulich aus: Der Kern-PCE stieg um 0,3 % gegenüber dem Vormonat, nach 0,2 % im August.
Im Jahresvergleich beschleunigte er sich von 3,0 % auf 3,1 %. Scotia Wealth Management folgert, dass die Daten eine überzeugende Konjunkturbeschleunigung zeigen, die Rezessionssorgen für die nahe Zukunft ausräumt. Gleichzeitig verengt die erneute Verstärkung der Kerninflation den Weg zu Zinssenkungen und hält eine Zinserhöhung der Fed im Dezember auf der Agenda.
Japan lieferte eines der wichtigsten geldpolitischen Signale des Tages. Die Bank of Japan beließ den Leitzins in einer Abstimmung mit 8 zu 1 Stimmen bei 1,25 %. Hajime Takata stimmte dagegen und plädierte für eine sofortige Anhebung auf 1,50 %.
Die BoJ erklärte, die zugrunde liegende Inflation habe erstmals seit 2013 ihr Ziel von 2,0 % erreicht. Zudem prognostizierte sie, dass die Verbraucherpreisinflation im Prognosezeitraum um 2,0 % verbleiben werde. Gouverneur Kazuo Ueda sagte, die Bank werde bei jeder Sitzung, auch im Dezember, über eine Zinserhöhung entscheiden.
Der Nikkei 225 verlor 2,1 % auf 63.290 Punkte und der KOSPI fiel um 3,5 %. Der Hang Seng gewann dagegen 1,5 % dank des Optimismus hinsichtlich heimischer politischer Maßnahmen. Die Anleihemärkte legten trotz der falkenhaften Signale zu.
Die Rendite der zehnjährigen JGB sank um 7,2 Basispunkte auf 2,76 %. Die zehnjährige US-Rendite lag bei 4,91 %, die kanadische bei 3,77 %. Deutsche Bundesanleihen profitierten von der breiteren Flucht in sichere Anlagen, während Frankreich angesichts seiner anhaltenden Fiskalkrise die bemerkenswerte Ausnahme blieb.
Die Rohstoffmärkte zeigten gegensätzliche Entwicklungen. Öl stieg aufgrund erneuter geopolitischer Risiken im Zusammenhang mit dem Iran: WTI legte um 2,0 % auf 104 US-Dollar je Barrel zu, Brent um 2,6 % auf 117 US-Dollar je Barrel. Das ist das höchste Niveau des Monats.
Die Note verweist auf Berichte, wonach ein ranghoher US-Militärkommandeur Präsident Trump über militärische Optionen gegen den Iran unterrichtet habe. Außerdem sollen vier Tanker in Brand geraten sein, nachdem sie beim Versuch, die Straße von Hormus zu passieren, auf Minen gestoßen waren. Der europäische Erdgaspreis TTF stieg um 5,1 % auf 103,6 Euro je Megawattstunde und überschritt damit erstmals seit der Energiekrise 2022 die Marke von 100 Euro.
Gold fiel um 1,5 % auf 3.963 US-Dollar je Feinunze, da die US-Staatsanleihenrenditen nachgaben. Kupfer notierte mit 14.356,5 US-Dollar je Tonne unverändert. Der US-Dollar-Index verlor 0,3 % auf 101,71, und der Yen gewann 0,4 % auf 157,2 Yen je US-Dollar.
Quelle: Scotia Wealth Management, Morning Strategy Note, 30. Oktober 2026, unter Berufung auf Statistics Canada, Bloomberg Finance LP, das Bureau of Economic Analysis, die Bank of Japan, die Europäische Zentralbank und Reuters.